Juniorprofessur „Sexualpädagogik mit dem Schwerpunkt Gewaltprävention“

In vielen Studien, Empfehlungen und Richtlinien wird die Relevanz der Sexualpädagogik für die Prävention sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche hervorgehoben. Zurzeit bestehen allerdings keine theoretisch gestützten und empirisch evaluierten Konzeptionen einer sexualpädagogisch fundierten Prävention gegen sexuelle Gewalt. Eine Erklärung dafür liegt in der Vergangenheit der Sexualpädagogik, die oftmals eine Vereinseitigung auf verkürzte Präventionsansätze erfuhr und auch aktuell in der Bedrängnis steht, als „Gefahrenabwehr“ (Kappeler 2011, S. 239) instrumentalisiert zu werden. Insofern stehen auch Forschung und Theorienbildung in der Gefahr, ihre Themenwahl und Konzepte auf „Präventionskurs“ zu bringen. Derzeit befindet sich die Fachdiskussion im Übergang vom Gefahren- zum Gesundheits- und Bildungsdiskurs. Entgegen einer reinen Präventionsfunktion leistet Sexualpädagogik gemäß ihrem Konzept der sexuellen Bildung (Valtl 2008) einen positiven Beitrag durch die pädagogische Begleitung der sexuellen Entwicklung und Entfaltung von Menschen in allen Lebenslagen und -phasen. Gleichzeitig haben die aktuellen Erfahrungen zur Prävention sexueller Gewalt in pädagogischen Kontexten die Einsicht gestärkt, dass sowohl die sexualpädagogische Begleitung von Kindern und Jugendlichen als auch die sexuelle Bildung der mit ihnen kommunizierenden Erwachsenen und die Beeinflussung von Intimitäts- und Kommunikationskulturen notwendig ist und weiterentwickelt werden muss.

Um die Forschung im Kontext von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Einrichtungen auszubauen und zu seiner nachhaltigen Implementierung beizutragen, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Forschungsvorhaben, die sowohl fundierte Erkenntnisse zu den strukturellen und personalen Faktoren von sexualisierter Gewalt als auch zu Fragen der Prävention zur Verfügung stellen. In diesem Rahmen wird die Juniorprofessur für Sexualpädagogik mit dem Schwerpunkt Gewaltprävention an der CAU gefördert.

Folgende Fragen sind bisher unzureichend beantwortet und werden innerhalb verschiedener Forschungsprojekte durch die Juniorprofessur in Kiel bearbeitet:

Ziele in der Forschung

Der Forschungsauftrag der Juniorprofessur besteht in der theoretischen und empirischen Analyse der systematischen und präventionspraktischen Zusammenhänge von Sexualpädagogik und Gewaltprävention, um auf dieser Basis ein Konzept sexualpädagogisch fundierter Prävention sexueller Gewalt zu entwickeln, das sich am Recht auf sexuelle Selbstbestimmung bzw. der Freiheit vor sexueller Fremdbestimmung orientiert (WHO/BZgA 2010, S. 20; Frommel 2011). Die Vermittlung eines solchen Konzepts durch Aus- und Fortbildungsmodule für Lehrerinnen und Lehrer sowie andere pädagogische Fachkräfte bedarf angesichts des sensiblen und tabubesetzten Themenbereichs didaktischer Grundlagen, die noch erarbeitet und evaluiert werden müssen. Der Forschungsauftrag der Juniorprofessur erstreckt sich zudem auf die Analyse von Implementationsbarrieren und -chancen in der pädagogischen Praxis, um die Ausweitung und Wirksamkeit einer sexualpädagogisch fundierten Prävention sexueller Gewalt zu befördern.

Ziele in der Lehre

Die bereits im Institut für Pädagogik der CAU bestehende Tradition sexualpädagogischer Forschung und Lehre wird durch die Arbeit der Juniorprofessur unterstützt. Die Lehre der Juniorprofessur ergänzt das schon jetzt in den Bachelor- und Masterstudiengängen für das Lehramt und die außerschulischen Handlungsfelder an der CAU Kiel regulär existierende Modul „Sexualpädagogik und pädagogische Prävention“ und dient der Entwicklung eines eigenen Studienprofils mit dem Schwerpunkt „Sexualpädagogik und Gewaltprävention“ im Bachelor- und Masterstudium. Die Lehrkonzeption sowie -evaluation erfolgen unter der zentralen Fragestellung, welche aus- und fortbildungsdidaktischen Vermittlungsformen die Qualifizierung professionell sexualpädagogisch Tätiger ermöglicht.

Die Juniorprofessur hat im Dezember 2013 unter der Leitung von Prof.‘in Dr. Anja Henningsen ihre Arbeit aufgenommen. Seit April 2014 ist das Team vollständig und besteht aus zwei wissenschaftlichen MitarbeiterInnen sowie zwei wissenschaftlichen Hilfskräften. In Kooperation der CAU und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie wurde im Februar 2014 das Kompetenzzentrum Nord zur Prävention sexueller Grenzverletzungen und sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gegründet.